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  • Stichtag 11. März: Aus für Tierversuchs-Kosmetik?

    “Eigentlich gibt es nur zwei Gründe, Tierversuche zu befürworten: Entweder man weiß darüber zu wenig oder man verdient daran.” - Dr. Dr. Christopher Anderegg, Arzt und Biologe.

    Am heutigen Montag tritt die letzte Stufe des EU-weiten Verbots von Tierversuchen für Kosmetika in Kraft. Dies bedeutet ein generelles Vermarktungsverbot von Kosmetikprodukten in der Europäischen Union, deren Inhaltsstoffe in Tierversuchen außerhalb der EU getestet wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt durften noch mehrere Arten von Tierversuchen für die Prüfung kosmetischer Inhaltsstoffe außerhalb der EU durchgeführt und die Produkte dann innerhalb des Staatenverbunds verkauft werden. Damit ist es nun vorbei.


    Der Deutsche Tierschutzbund, der zusammen mit den Ärzten gegen Tierversuche und knapp zwei Dutzend weiteren, überwiegend internationalen Organisationen jahrzehntelang für dieses Verbot gekämpft hat, berichtet in einer Pressemitteilung, das Vermarktungsverbot hätte bis zum letzten Moment auf der Kippe gestanden: „Dass die EU-Kommission beabsichtigte, mit formalen Tricks ein rechtsgültiges Verbot noch länger hinauszuzögern, war aus Tierschutzsicht ein Skandal. [...] Tierversuche für Kosmetik sind aus ethischer Sicht indiskutabel.“, kommentiert Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Tierschutzbundes.

    So positiv diese Meldung klingt, sie bedeutet nicht, dass nun bedenkenlos ins Drogerie-Regal gegriffen werden kann. Eine nähere Betrachtung der Situation in Deutschland und der EU erweist sich trotz dieses Erfolges, den man als Etappensieg betrachten sollte, als eher ernüchternd.

    Tierversuche – ein Überblick

    Jede Chemikalie, mit der wir in irgendeiner Form in Kontakt geraten, wurde einmal im Tierversuch getestet und wird im Rahmen der EU-Chemikalienrichtlinie REACH von 2007 bis zum Jahr 2018 erneut getestet werden. Die Ärzte gegen Tierversuche schreiben dazu: „Die Chemikalien-Richtlinie REACH sieht vor, dass Zigtausende alte Chemikalien, die vor 1981 auf den Markt gekommen sind, auf ihre möglichen Risiken für Mensch und Umwelt zu überprüfen. […] Schätzungen gehen von 8 bis 54 Millionen Tieren aus, die in den nächsten Jahren für REACH leiden und sterben sollen.“
    Doch auch völlig unabhängig von diesem Großprojekt wird eifrig getestet: zwei bis drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jährlich durch an ihnen ausgeführte Versuche. 2,9 Millionen Tiere waren es im Jahr 2011, ein Zuwachs von 55.000 Tieren im Vergleich zum Vorjahr. Unter anderem werden Nagetiere wie Hamster, Mäuse und Ratten gequält, zudem unzählige Fische, Katzen, Esel, Affen, Schweine und Pferde. Diese Tiere leiden und sterben vollkommen unabhängig von der Tatsache, dass Tierversuche keine auf den Menschen übertragbare Ergebnisse liefern und dementsprechend höchst umstritten sind.
    Tierversuche sind ein Thema, bei dem prinzipiell eine große Einigkeit vorherrscht, was die ethische Verwerflichkeit angeht, ganz im Gegensatz zu anderen Tierrechts-Themen. Bei Medikamenten gestaltet sich ein Verzicht des tierversuchgetesteten Produkts häufig als schwierig, bei Kosmetika gelingt dies überwiegend problemlos. Dafür werden Kosmetika häufig gar nicht in Verbindung mit Tierquälerei gebracht. Viele Konsumenten achten daher beim Einkauf nicht auf tierversuchsfreie Produkte, obwohl jeder mit seiner Wahl ein Statement setzten und die Nachfrage entsprechend steuern kann.
    Das nun in Kraft tretende EU-weite Vermarktungsverbot von Kosmetika mit im EU-Ausland getesteten Substanzen bietet bei näherer Betrachtung allerdings keinen ausreichenden Schutz vor der Tierqual im Einkaufskorb.

    Tierversuche und Kosmetik

    Theoretisch sind Tierversuche für neue Substanzen, die ausschließlich in der Kosmetikindustrie Verwendung finden sollen, seit 2009 in der EU verboten – allerdings werden Chemikalien nur in seltenen Fällen ausschließlich für die Kosmetik entwickelt, sodass sich diese Regelung als nicht sehr effizient erweist. Die überwiegende Anzahl der Substanzen wird auch in anderen Produkten verwendet und fällt somit unter die Prüfvorschriften für Chemikalien, die generell im Tierversuch getestet werden.
    Ebenso darf das Endprodukt, also fertig entwickelte Kosmetika, in der EU nicht mehr an Tieren auf Verträglichkeit getestet werden. Auch Endprodukte aus Drittländern, die in Tierversuchen getestet wurden, dürfen seit 2009 nicht mehr in der EU vermarktet werden. Der Verkauf von Endprodukten, deren Inhaltsstoffe außerhalb der EU in Tierversuchen getestet wurden, ist ab heute verboten.
    Doch aufgrund der bereits beschriebenen Problematik werden sich weiterhin neu entwickelte Kosmetika in den Regalen finden, deren Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurden: testet man die Chemikalie für ein anderes Produkt als Kosmetik, darf sie dennoch im Anschluss in der Schönheitsindustrie verwendet werden.
    Wer diese Tierquälerei nicht unterstützen möchte, sollte auf Kosmetik-Marken zurückgreifen, die nicht ständig innovative Inhaltsstoffe auf den Markt bringen. Jeder Stoff wurde einmal getestet, sodass streng genommen keine tierversuchsfreie Kosmetika existieren. Allerdings sollte man keine Produkte mit frisch entwickelten Inhaltsstoffen verwenden und so das Weiterführen von Tierversuchen unterstützen, sondern lieber auf Kosmetik zurückgreifen, deren Inhaltsstoffe vor 30 Jahren getestet wurden. Auch mit diesen Stoffen sind Innovationen möglich.
    Auf der sicheren Seite ist man mit BDIH-zertifzierter Naturkosmetika, die laut ihrer Richtlinie Tierversuche in jeglicher Form ausschließen. Oder man nutzt eine der zahlreichen sogenannten Positiv-Listen, die Kosmetikfirmen benennen, welche keine Tierversuche durchführen oder durchführen lassen und auf bereits vorhandene Inhaltsstoffe zurückgreifen. Allerdings unterscheiden sich die Listen mangels einheitlicher Definition, denn es genügt nicht, sich bei einem Hersteller lediglich zu erkundigen, ob er Tierversuche durchführt. Möglicherweise führt er keine durch, gibt sie aber in Auftrag. Aussagen wir „Dieses Produkt wurde nicht an Tieren getestet“ schließen nicht Tests der Inhaltsstoffe aus. Oder die Firma an sich testet nicht, aber der Mutterkonzern lässt testen, wie es beim Body Shop der Fall ist, der seit einigen Jahren zu L’Oréal gehört. Ein weiteres Problem stellen Firmen dar, die in der EU komplett tierversuchsfrei produzieren, aber nach China expandieren: um dort vertreiben zu dürfen, müssen die Hersteller sämtliche Inhaltsstoffe durch chinesische Behörden testen lassen, obwohl die Stoffe bereits in Europa getestet wurden.

    Mehr Schein als Sein?

    Das neue, hart erkämpfte EU-Vermarktungsverbot darf als Teilerfolg gewertet werden, als ein kleiner Fortschritt und ein Signal. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Ende der Tierversuche in Bezug auf Kosmetika einzuläutern, wäre aufgrund der bereits beschriebenen Problematik zu früh. Wer ethisch einwandfreie Kosmetika verwenden möchte, für den gilt weiterhin: Augen auf beim Make-Up-Kauf.



    Die Vegane Bewegung über Licht und Schatten des Verbots von Tierversuchen für Kosmetika.
    Wir danken der Autorin Julia für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung.
    Originalartikel: http://vegane-bewegung.de/news/stich...-kosmetik.html
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